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Arbeitsgruppe Zusammenschlüsse von Lokalsystemen bayerischer Fachhochschulbibliotheken
- Abschlussbericht -
(Stand 26.2.2002)
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1. Ausgangslage
Die Konferenz der Leiterinnen und Leiter der bayerischen Fachhochschulbibliotheken hat auf ihrer Sitzung am 12./13.
Juli 2001 eine Arbeitsgemeinschaft Zusammenschlüsse von Lokalsystemen bayerischen Fachhochschulbibliotheken (AG
Lokalsysteme) eingesetzt und diese beauftragt, Kooperationsmöglichkeiten im Bereich lokaler Bibliothekssysteme zu
untersuchen und zu bewerten. Die Kommission für EDV-Planung im Bibliotheksverbund Bayern (KEP) hat diesen Auftrag
aufgegriffen und die AG Lokalsysteme beauftragt, ein Kooperationskonzept für Bayern zu entwickeln.
Handlungsbedarf besteht, weil zum einen in vielen Fachhochschulbibliotheken die Erneuerung der inzwischen 8 Jahre
alten EDV-Ausstattung ansteht, zum anderen kann keine Fachhochschulbibliothek mit älterer RM auf SISIS-Sunrise
umsteigen, da deren Kapazität hierfür nicht ausreicht. Dieser Umstieg muss spätestens zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme
eines neuen Verbundsystems erfolgt sein. Zudem ist zumindest an den "alten" Fachhochschulbibliotheken auch ein
Austausch der Endgeräte (teilweise werden noch Terminals eingesetzt) dringend erforderlich.
2. Bestehende und geplante Kooperationen
2.1. Universitätsbibliothek - Fachhochschulbibliothek
In Bayern gibt es zurzeit zwei Kooperationen von Fachhochschulbibliotheken mit einer nahe gelegenen
Universitätsbibliothek. Die Daten der Bibliotheken werden in einem gemeinsamen Katalog gehalten, datentechnisch
gesehen sind die Bibliotheken Zweigstellen.
Am längsten kooperieren FHB Ingolstadt und die UB Eichstätt, seit Mitte 2000 auch die FHB Regensburg mit der dortigen
UB. In Kooperationsabkommen zwischen den Institutionen wird die Zusammenarbeit geregelt. Im Verbund Eichstätt-Ingolstadt
besteht keine direkte Bestellmöglichkeit zwischen den Bibliotheken, während im Regensburger OPAC direkt zwischen den
Institutionen bestellt werden kann (Problem des Versandaufkommens).
Beiden Kooperationen sind Verhandlungen zwischen den Insititutionen vorangegangen. Sie ersparten der jeweiligen
Fachhochschulbibliothek den Kauf und die technische Betreuung eines (neuen) Servers für das Bibliothekssystem SISIS;
die FHB Ingolstadt ersparte sich durch eine Absprache mit der Fa. SISIS GmbH den Kauf eines eigenen SIAS-Moduls. Einen
zentralen Rechner für die sonstigen EDV-Anwendungen, Druckerverwaltung und Web-Server inkl. Betreuung benötigen die
Bibliotheken dennoch. Die "Zweigstellen FHB" werden auf SISIS-Seite selbstständig in der Fachhochschulbibliothek betreut.
Beide Kooperationen sind SISIS-seitig problemlos möglich, da nur die jeweilige UB das Erwerbungsmodul SIERA einsetzt.
Geplant sind zwei weitere Kooperationen: UB und FHB Augsburg sowie TUB München und FHB Weihenstephan. Beide
Kooperationen sind technisch möglich, weil nur jeweils eine der beiden Bibliotheken SIERA einsetzt; in beiden Fällen
sind aus Kapazitätsgründen keine Bestellmöglichkeiten in der jeweils anderen Bibliothek geplant.
2.2. Fachhochschulbibliothek – Fachhochschulbibliothek
Analog zum oben beschriebenen Modell gibt es derzeit als einzige Kooperation von Fachhochschulbibliotheken die der
FHB Würzburg-Schweinfurt und der FHB Aschaffenburg. Ursprünglich als 3. Standort der FHB Würzburg-Schweinfurt gegründet,
wurde die FHB Aschaffenburg zum 1.10.2000 selbstständig. Die gemeinsame SISIS-Datenbank wurde beibehalten. Zwischen
den Zweigstellen besteht ein reger Bestellverkehr, was einerseits zu einer intensiven Nutzung die Bestände führt, zum
anderen die Transportdienste dieser Fachhochschulen stark beansprucht.
Es ist geplant und im HBFG-Antrag der FHB Würzburg-Schweinfurt so beantragt, in diesen Verbund auch die FHB
Coburg zu integrieren und so einen nordfränkischen Verbund zu etablieren.
2.3. Fazit: Bestehende Kooperationen
Alle Kooperationen ersparen einmalige Serverinvestitionen und in geringem Umfang laufenden
Betreuungsaufwand. Kosten für SISIS-Lizenzen in Höhe von 10% sparen diejenigen Bibliotheken, die eine Datenbank
mitnutzen, die Vertragspartnerin der Firma SISIS zahlt die vollen Lizenzkosten. Ein Mehrwert für die Benutzer
ist nur dann zu verzeichnen, wenn die Bestände im "Stadt-OPAC" auch bestellbar bzw. auf kurzen Wegen
beschaffbar sind. Ein gemeinsamer OPAC über Stadtgrenzen hinaus ohne Bestellmöglichkeiten bietet dem Benutzer
keinerlei Vorteil. Werden andererseits Zweigstellenbestellungen über Ortsgrenzen hinaus angeboten, könnten sich
diese zu einer Konkurrenz zur Fernleihe entwickeln.
3. Mögliche zukünftige Kooperationen
Aus den eingangs geschilderten Gründen besteht für alle bayerischen Fachhochschulbibliotheken
außer den oben genannten sowie der FHB München und der FHB Ansbach, die bereits SISIS-Sunrise einsetzen, die
Notwendigkeit, die technischen Voraussetzungen für einen Umstieg zu realisieren. Kooperationen mit
Universitätsbibliotheken am Ort sind bei keiner der betroffenen Fachhochschulbibliotheken möglich: FHB Nürnberg
und UB Erlangen-Nürnberg können derzeit aus techischen Gründen nicht kooperieren, da beide Bibliotheken das
Erwerbungssystem SIERA einsetzen. Alle anderen Fachhochschulbibliotheken sind die einzigen Hochschulen am jeweiligen
Ort.
Zur Wahl stehen deshalb nur zwei Optionen: zum einen der weitere Betrieb eines eigenen Lokalsystems, zum anderen
die Kooperation mehrerer Fachhochschulbibliotheken untereinander, ggf. unter Einbeziehungen weiterer staatlicher
Bibliotheken. Für letztere Option gibt es technisch zwei Lösungsvarianten: die oben beschriebene gemeinsame
Datenbank nach Würzburger Modell, oder aber der Betrieb mehrerer eigenständiger Datenbanken auf einem gemeinsamen
Server.
Beide Modelle können nur funktionieren, wenn für die Betreuung des gemeinsamen Rechners eine feste Stelle mit
Wertigkeit BAT IV b/a (Kosten ca. 45.000 € jährlich) geschaffen wird. Diese ist an zentraler Stelle
(Verbundzentrale oder größere Fachhochschule) anzusiedeln, um auch Krankheits- und Urlaubsvertretungen regeln zu
können, ohne die Serverbetreuung in Randzeiten zu gefährden. Diese unabhängig vom Standort den Fachhochschulen
zuzurechnende Stelle würde das Stellendefizit in diesem Hochschulsektor etwas mindern.
Dagegen steht ein möglicherweise erhebliches Einsparpotenzial für neue Bibliotheksserver in Höhe von 200.000
bis 300.000 € (ca. 50.000 € pro mitnutzender Bibliothek), auch Schulungskosten für die Hardware- und
Datenbankbetreuung und die Installationskosten fallen nur einmal an. Da keine der beteiligten Fachhochschulbibliotheken
derzeit über eine Stelle für die Systemverwaltung verfügt, kann das Einsparpotenzial im personellen Bereich nur
fiktiv mit ca. 20% angesetzt werden.
3.1. Gemeinsame Datenbank
Eine gemeinsame Datenbank würde jeder
mitnutzenden Bibliothek Einsparungen im Bereich der SISIS-Lizenzen
in Höhe von 10% der gesamten SISIS-Lizenzkosten bringen. Ansonsten wäre aber kein Mehrwert für die Benutzer zu
verzeichnen, da ein Bestellverkehr zwischen den einzelnen Institutionen personell und auch finanziell nicht
leistbar ist. Die Präsentation von Beständen im OPAC, die nicht vor Ort verfügbar oder per Mausklick bestellbar
sind, widerspricht der Serviceorientierung der Fachhochschulbibiotheken.
Softwareseitig wäre zwar nur eine Datenbank zu betreuen, das System würde allerdings durch die Vielzahl der
Zweigstellen sehr komplex, insbesondere im Bereich der Steuerung von Systemausdrucken. Die SISIS-Zweigstellen
müssten in jedem Fall vor Ort betreut werden, wobei grundsätzliche, für das gesamte SISIS-System gültige Parameter
vorab von allen teilnehmenden Bibliotheken zu auszuhandeln wären.
3.2. Gemeinsamer Server mit getrennten Datenbanken
Bei diesem Modell besteht zwar keine Einsparung im Bereich der SISIS-Lizenzen, was aber im Interesse der
Benutzerorientierung vertretbar ist: in den einzelnen OPACs werden nur die Medien angezeigt, die dem Benutzer
ohne Umwege zur Verfügung stehen. Alle anderen Bedürfnisse müssen über den WWW-OPAC des Bibliotheksverbunds
Bayern mittels Fernleihe befriedigt werden. Der Administrationsaufwand für mehrere Datenbanken dürfte auf Grund
der Gleichartigkeit nicht höher sein als der für eine sehr große Datenbank. Die SISIS-Administration findet in
jedem Fall vor Ort statt, jedes Lokalsystem bleibt für sich überschaubar.
3.3. Weiterer Betrieb eines eigenen Lokalsystems
Das Eingehen einer Kooperation im Bibliotheksbereich ist eine Entscheidung, die jede
Hochschule autonom zu fällen hat. Die personelle Belastung der Server- und Datenbankbetreuung innnerhalb der
Dienstleistungen des lokalen Rechenzentrums ist der möglichen finanziellen Einsparung gegenüberzustellen.
Daneben spielen auch nicht quanitifizierbare Größen wie die Eigenständigkeit einer Bibliotheksdatenbank mit der
Mögichkeit der Einbindung in lokale Informationssysteme eine Rolle.
3.4. Fazit: Zukünftig mögliche Kooperationen
Grundsätzlich ist die unter 3.2. skizzierte Lösung aufgrund der unter 3.1. geschilderten Nachteile für die
Benutzer vorzuziehen. Unter der Voraussetzung, dass die Serverbetreuung personell abgesichert wird und die
jeweiligen Hochschulleitungen dem Modell zustimmen, haben die Fachhochschulbibliotheken Ansbach, Amberg-Weiden,
Hof, Deggendorf, Neu-Ulm, Kempten und Rosenheim Interessse an einer Teilnahme angemeldet. Nach Abschreibung des
bisherigen Rechners wäre auch München interessiert, ebenso wie Nürnberg, wo der derzeitige Rechner allerdings
schnellstmöglich abgelöst werden muss.
Vor Verwirklichung des Modells müssen noch technische Probleme wie der parallele Betrieb mehrerer SIKOM-Schnittstellen
zwischen Lokalsystemen und Verbunddatenbank und der parallele Betrieb mehrerer WebOPACs gelöst werden. Daneben ist
die Datenschutzfrage (Datenverschlüsselung bei Übertragung zwischen Client und Server über das Netz) zu klären sowie
die Finanzierung der Peripheriegeräte aus Landesmitteln, sofern keine Bundesmittel aus der Hochschulbauförderung zu
erwarten sind.
4. Empfehlungen
Nach Abwägung der Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Kooperationsmodelle kommt die
AG Lokalsysteme zu folgenden Schlüssen:
- Kooperationen mit gemeinsamer Datenbank können nur dann erfolgreich sein, wenn die Bibliotheken freiwillig
kooperieren und genügen Vorlauf für Verhandlungen gegeben ist. Wird kein gemeinsamer HBFG-Antrag gestellt, so
ist die Ausstattung der Bibliotheken mit leistungsfähigen und zahlenmäßig ausreichenden Endgeräten aus Landesmitteln
sicherzustellen. Der zeitliche Vorlauf für Verhandlungen über die Kooperation ist großzügig zu bemessen, Zeitdruck
darf nicht entstehen. Zu komplexe Systeme sind zu vermeiden, ggf. ist die Entwicklung der Mandantenfähigkeit des
Erwerbungsmoduls Siera ("Zweigstellenkonzept") noch abzuwarten.
- Für Bibliotheken an verschiedenen Orten ist das Modell "Gemeinsamer Server - verschiedenen Datenbanken" zu
empfehlen. Voraussetzung ist die unter Punkt 3 genannte Einrichtung einer zentralen Stelle für die Betreuung sowie
die Zustimmung der jeweiligen Hochschulleitung. Eine Ausweitung des Modells auf den Bereich der (allerdings nicht
HBFG-fähigen) staatlichen Bibliotheken wäre denkbar.
- Die Klärung technischer und rechtlicher Fragen darf nicht zu Verzögerungen in der Systemerneuerung führen,
die den laufenden Betrieb eines lokalen Bibliothekssystems gefährden. Eine wohlüberlegte Kooperation in mehreren
Jahren ist einer mit heißer Nadel gestrickten und deshalb möglicherweise nicht funktionierenden in einem Jahr in
jeder Hinsicht vorzuziehen.
- Durch die Vereinbarungen mit der Firma SISIS ist inzwischen festgelegt, dass die Firma nur jeweils eine
Bibliothek als Vertragspartnerin hat ("1 Katalog = 1 Vertrag"). Mitnutzende Bibliotheken erhalten für
die von ihnen benötigten SISIS-Sunrise-User-Lizenzen 10% Rabatt. Ein Kostenmodell für die SISIS-Mitnutzung durch
staatlichen Bibliotheken, wie von der KEP gewünscht, kann von der AG Lokasysteme deshalb nicht entwickelt werden.
Mitglieder dieser Arbeitsgruppe siehe Arbeitsgruppen innerhalb der
Fachhochschulbibliotheken
Anregungen, Fragen, Wünsche an:
crv@fh-bibliotheken-bayern.de
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